Thailands Garküchen – Meine leckerste Streetfood Erfahrung

Kennt ihr das, wenn ihr euch im Urlaub auf die leckeren exotischen Früchte freut und gefühlt den ganzen Urlaub nur frisches Obst, Smoothies oder Kokosnüsse verspeist? Noch dazu bekommt man im Urlaub Früchte, die zu Hause teuer oder oft unreif sind und deswegen kaum Geschmack haben. Dann schmecken euch die sonnengetränkten Früchte im Urlaub natürlich umso besser. Hmmm himmlisch! So erging es mir ein Jahr in Asien. Besser gesagt in Thailand.

Man sagt ja, dass man ein Land am besten über das Essen kennenlernt. Und deswegen kenne ich Thailand heute in- und auswendig. Ihr könnt mir glauben, ich habe ALLES probiert!

Einige meiner Bekannten nehmen an, dass das Essen in Asien ekelhaft schmeckt und dass man „dort doch nur Insekten isst.“ Ich gebe zu, ich war zuerst auch etwa skeptisch, als ich mich auf meine erste Reise dorthin machte. Ich hatte einen Platz für ein Auslandssemester an der Bangkok University ergattert und war natürlich hyper-aufgeregt. „Werde ich da überhaupt etwas Richtiges zu essen finden?“ Ich habe sogar vor meiner Reise amerikanische Fastfood Ketten gegoogelt, weil ich dachte, dass ich auf sie angewiesen sein werde um zu überleben. Ich wusste es ja nicht besser…

Angekommen in Bangkok erlitt ich erst mal den klassischen Kulturschock: Viele viele Menschen, viel zu viele Autos, noch mehr Roller, schlechte Luft, laut, heiß, Hektik und Geschrei überall. BÄMS! Da war ich ganz schnell und ganz ungeschont in Bangkok angekommen. Überwiegend riecht es leider nach Abgasen, an jeder zweiten Straßenecke aber auch nach unbekannten Gewürzen, Öl, Fisch und Fleisch. Ich beobachte in den ersten Tagen, dass viele Menschen an viel befahrenen Straßen, Nebenstraßen oder riesigen Nachtmärkten auf Plastikstühlen an Plastiktischen, von Plastikgeschirr essen. Aber vor allem sehe ich, wie direkt an der Straße, meist unter Sonnenschirmen, Zelten oder Markisen live gekocht wird. Zu jeder Tageszeit ist an den sogenannten Garküchen viel los, abends herrscht ein stetiges kommen und gehen. Es scheint, als ob dies der Treffpunkt vieler Thais aus verschiedensten Gesellschaften ist. Egal ob Anzugträger, Tourist oder Familien, hier trifft man sich um gemeinsam zu essen und sich zu unterhalten.

Anfangs traue ich mich nicht so recht an die Stände. Teilweise sehen sie etwas befremdlich aus, denn sie sind oft spartanisch aufgestellt und ausgestattet, es gibt kein fließendes Wasser und das Umfeld in denen sie stehen ist weder steril, noch hygienisch. Ich erinnere mich daran, wie ich während meines Nebenjobs in Deutschland stundenlang die Fliesen der Küche schrubben musste. Saubere Bürgersteige sind hier Fehlanzeige, denn es wird unter freiem Himmel gekocht! Aber wieso sitzen an den kleinen Ständchen auf der Straße mehr Leute als in klimatisierten und sauber wirkenden Restaurants? Ich fange also an neugierig zu werden. Was die Einheimischen können, kann ich ja wohl auch! Dem frischen Obst, welches von den Verkäuferinnen geschnitten, nach Wunsch sogar gewürzt und mit Essstäbchen versehen wird, kann ich einfach nicht widerstehen. Ich esse in Bangkok zum ersten Mal in meinem Leben: Drachenfrucht, Rosenapfel, Sternfrucht, Papaya, Zwillingspflaume, Guave, Jackfrucht, Durian (Stinkefrucht) und viele mehr. Jeden Morgen vor der Uni hole ich mir mehrere Tütchen gemischtes Obst, für ganz kleines Geld.

Allmählich traue ich mich mehr. Ich beginne mir ganz genau anzuschauen, welche Ständchen was anbieten und wie das Essen zubereitet wird. Ich starte mit Suppen. In Thailand gibt es zahlreiche Suppenstände, bei denen man den kleinen Hunger-Zwischendurch stillen kann. Meistens gibt es einen riesigen Topf in dem eine klare oder eine Kokosbrühe köchelt. Wenn man die Schilder, auf denen die Gerichte angeboten werden nicht lesen kann, stellt man sich eben die Suppe individuell zusammen. Als zeige ich auf die Zutaten, die ich in meiner Suppe haben möchte, zum Beispiel: Glasnudeln, Champions, Zitronengras, Hähnchenstücke. Dann werden die Zutaten mit einem großen Sieb in der Brühe gekocht und anschließend nach Wahl mit Gewürzen verfeinert. Thais essen für unsere Verhältnisse sehr, sehr, sehr scharf. Auch wenn ihr etwas belächelt werdet, bestellt am besten immer „nicht scharf“ (Thai: mai päd), dann ist es zwar immer noch unheimlich scharf, aber auszuhalten 🙂 Nun esse ich also alle möglichen Suppenarten, mit verschiedenstem frischem Gemüse, Fisch, Fleisch, Garnelen, Nudeln oder Reis.

Als nächstes entdecke ich die Currygerichte. Wahnsinn, wie toll sie schmecken. Es gibt rotes, gelbes und grünes Curry, mit verschiedenstem Gemüse, wie Paprika, Frühlingszwiebeln, Pilzen, Sojabohnen, Karotten, Babymais, Zuckerschoten, Thai-Auberginen, Erdnüssen etc. und dazu Reis. Stetig begleitet werden die Gerichte natürlich von mega scharfem roten oder grünen Chili, Ingwer, Koriander, Zitronengras, Soja-, Fisch- und der super leckeren Austernsoße.

20170331_151026

Die Streetfood Märkte mit ihren Garküchen werden für mich zu einem täglichen Ziel, nicht nur weil ich so leckeres Essen bekomme, sondern weil sich hier das Leben abspielt. Meine Freunde und ich entdecken nach und nach neue Streetfood Märkte und verabreden uns jeden Abend an einem anderen, um regelrecht zu schlemmen. An vielen Abenden essen wir in Gängen. Zuerst eine Tom Yum oder Massaman Curry Suppe als Vorspeise, anschließend bestellen wir verschiedene Gerichte für alle, wie zum Beispiel Garnelen in Knoblauch Soße, Papaya Salat, Wasserspinat, Larb, Pad Thai, gegrillten Fisch, frittiertes Hähnchen und dazu frischen Salat. Zum Nachtisch essen wir selbstgemachtes Kokosnusseis, Klebereis mit Mango und Kokosnusssoße, Bananenpfannkuchen oder einen frisch zubereiteten Smoothie aus verschiedenstem Obst, welchen wir uns selber zusammenstellen.

Auch in meinen anschließenden Reisen habe ich nie so vielfältig und gesund gegessen. Über das Essen mit und bei den Einheimischen haben wir viel von der Thai Kultur gelernt, viele Menschen kennengelernt, Lokal gegessen – was immer zu freudigen Gesichtern geführt hat- und absolut leckeres, sauberes Essen bekommen. Noch dazu macht es nicht dick und ist unglaublich günstig!

20170331_150202

Und natürlich: Es gibt auch frittierte Insekten! Diese habe ich aber nur in der Touristenstraße „Khao San Road“ gesehen. Heuschrecken, Maden, Kakerlaken, Taranteln und viele mehr werden hier zum Probieren angeboten. Igitt!

20170331_173425

Mein Tipp zum schmackhaften Streetfood: Vertraut einfach auf euch! Ihr erkennt sofort, wenn Fleisch oder Fisch schlecht ist, das Besteck dreckig oder das Öl alt ist. Schaut euch einfach die Lebensmittel und die Garküche genau an. Da sie so stark frequentiert sind, steht an den Garküchen niemals fertiges Essen lange herum. Wenn das Fleisch auf riesigen Eisklötzen den ganzen Tag über gekühlt ist, ein Putzeimer mit Spülmittel, Handtüchern und Lappen am Stand sind, kann man hier beruhigt essen.

Guten Appetit!

PS: Um die Streetfood Märkte in der Nähe zu finden, solltet ihr euch am besten selbst auf die Suche machen. Meine Top 5 Favoriten sind:

Sukhumvit Soi 38 (Nähe BTS Thong Lo)
Silom Soi 20
On Nut Night Market (BTS On Nut)
Victory Monument
Chatuchak Market (nur am Wochenende)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s