Kuba. Zweiter Teil

Matanzas

Zwei Tage später fahren wir mit dem Viazul-Bus Richtung Havanna. Man hat uns am Busterminal in Varadero informiert, dass wir in der nächst größeren Stadt Matanzas aussteigen und am Abend in den letzten Bus nach Havanna nehmen zu können. So hatten wir den ganzen Tag Zeit um das sogenannte „Athen von Kuba“ zu entdecken, welches von sehr wenigen Touristen besucht wird. Diese Gelegenheit wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Auch Matanzas ist vom allseitigen Verfall, wie der Rest von Kuba, betroffen, dennoch sind hier kulturelle Reichtümer an jeder Ecke zu finden. In dieser Künstlerstadt wurden die kubanischen Musikarten „Danzón“ und „Rumba“ erfunden und auch die größten Dichter und Schriftsteller des Landes geboren. Während wir durch die Straßen schlendern, erhaschen wir immer wieder Einblicke in das Leben der Kubaner. Durch schiefe Türen und offene Fenster sehen wir Frauen die bunten Fliesen wischen, wie Kinder an alten Holzpulten in der Schule lernen und wie ältere Männer zusammen Domino spielen. Die stetigen Geräusche die uns begleiten sind laute Motoren vorbeifahrender Oldtimer, Frauen die sich wild gestikulierend unterhalten und der Klang von afrikanischen Trommeln, spanischen Gitarren und Rumbakugeln der unverwechselbaren kubanischen Musik. Am „Parque de la Libertad“ essen wir auf der zweiten Etage eines wunderschönen Restaurants im Kolonialstil, mit langen weißen Vorhängen, zwei kleinen Balkonen und antikem, gepflegtem Mobiliar. Im Restaurant „Romantico“ trinken wir selbstgemixte Cocktails und essen karibisches Huhn mit Gemüse und Reis. Himmlisch! Später wandern wir zurück zum „Plaza de la Vigia“ und trinken Mojito auf der Terrasse. Dabei beobachten wir das Geschehen. Nach kurzer Zeit haben wir neue Freunde gemacht. Eine kubanische Familie sitzt mit gesamter Generation und Hund am Nachbartisch, trinkt Rum, spielt laute Musik und schaut immer wieder freundlich zu uns rüber. Sie sind begeistert, dass wir ihre Stadt besuchen und lassen uns am lokalen Rum probieren. Einige Cocktails später unterhalten wir uns lebhaft und José erzählt uns, dass er einmal in Ost Deutschland war: „Tolles Land nur wenig Sonne und wenig Salsa“.

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Havanna

Angekommen in Havanna laufen wir mit unseren Backpacks durch die Straßen. Es ist ruhig in der Nacht, denn es sind kaum Autos und Menschen unterwegs. Irgendwie hatten wir uns eine Hauptstatt lebendiger vorgestellt. Von der Busstation sind es ein paar 100 Meter bis zu unserer Casa, direkt am oberen Ende des „Paseo de Marti“ bei „George“. Er wartet schon auf uns. Auch hier finden wir wieder eine freundliche Person und eine gemütliche, sauberer Unterkunft, mitten in der Stadt vor, in der wir uns direkt wohl fühlen. Am Morgen bekommen wir leckeres Frühstück, mit Omelett, Brot mit Käse, Wurst und Marmelade, frischen Früchten und Kaffee. George sitzt bei uns und zeigt uns auf der Karte welche Sehenswürdigkeiten wo zu finden sind. Alles ist fußläufig erreichbar und wenn wir keine Lust mehr haben, können wir immer in ein Taxi steigen. Er gibt uns seine Visitenkarte mit Adresse und Telefonnummer sowie einen Haustürschlüssel mit, falls wir uns verlaufen. Staunend laufen wir durch die Straßen und bewundern die Häuser, die teilweise so aussehen als ob niemand mehr drin wohnt. Neugierig laufen wir einfach durch die stets offenen Türen hinein und entdecken Innenhöfe in denen Kinder spielen und Wäsche aufgehangen wird.

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Mit dem City Bus machen wir eine Stadtrundfahrt. So erhalten wir einen Überblick über die Stadt und bekommen Sightseeing und Restaurant Tipps. Im alten Havanna schlendern wir tagelang durch die Gässchen, trinken Kaffee oder Cocktails in den kleinen Bars an den Parks, Museen oder Monumenten und beobachten die Menschen. Havanna erinnert mich kaum an eine Hauptstatt, hier ist es nur auf den Hauptstraßen etwas lauter, es gibt eben nicht viel Verkehr. Die Stadt strahlt mit ihrer DIY Mentalität (Heimwerker-Bewegung)  und Ruhe viel Kreativität aus.

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Ein Highlight in Havanna ist der Malécon. Eine gefühlt endlose Promenade mit Blick auf das Meer und der Skyline der antiken Gebäude in Hintergrund. Dort kommt man am Ende des Tages zusammen, unterhält sich, spielt Musik und genießt den Sonnenuntergang, natürlich mit einem Gläschen Rum. Hier fühlen wir uns sofort heimisch.

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Auf der gegenüberliegenden Seite von Havanna liegt die Festung „Castillo De Los Tres Reyes Del Morro“ von der man einen atemberaubenden Ausblick auf die Stadt hat. In der gesamten Festung finden sich viele kleine Verkaufsstände, in denen man holzgeschnitzte Figuren, Bilder und viel Handgemachtes kaufen kann. Jeden Abend um 21 Uhr gibt es dort eine Kanonenfeuer-Zeremonie. Anschließend gingen wir der Empfehlung von George nach und aßen im „El Canonazo Paladar“, einem wunderschönen privaten Restaurant gleich um die Ecke. Wir saßen im Hinterhof unter riesigen Holzschirmen, umgeben von hübscher Dekoration, einem kleinen Brunnen und zuckersüßen Seidenhühnern (!).

Viñales

George organisiert uns ein „Taxi colectivo“ nach „Viñales“. Dieses private Taxi teilen sich Touristen, die in die gleiche Richtung reisen wollen. Damit ist der Preis pro Person günstiger, man ist außerdem viel schneller als der Viazul Bus und darüber hinaus ist man lokal unterwegs. Die 180km Fahrt, inklusive Lunch Pause und einigen kurzen Stopps an Aussichtspunkten, dauert insgesamt ca. 3 Stunden, da die Straßen Schlaglöcher haben und man unterwegs auch mal Pferdekarren begegnen kann. Auf dem Weg nach Viñales verwandelt sich die Landschaft nach und nach in eine Oase. Wir sehen Palmen, grüne Berge, Tabakplantagen und Seen. Die Luft wird reiner und etwas tropischer. Angekommen an unserem neuen Zuhause-auf-Zeit bei „Rosy und Ottoniel“, staunen wir nicht schlecht, als wir das kleine bunte Haus mit Terrasse und Schaukelstühlen sehen. Das ist genau was wir nach der Zeit in der Stadt gesucht haben. Erholung!

Rosy und Ottoniel sprechen kaum Englisch. Wundersamerweise verstehen wir nun doch mehr als bei unserer Ankunft. Rosy platziert uns an ihrem Küchentisch, der sich natürlich auf einer überdachten, bunten Terrasse befindet, und reicht uns erst mal einen Melonen-Bananen Smotthie, zur Begrüßung. Auf einer Karte an der Wand erklärt sie uns (auf Spanisch) wo wir uns befinden und was wir rund um Viñales alles erleben können. Wir sind sofort begeistert, als Sie uns von den vielen Wasserfällen, dem Dschungel und natürlich dem Nachtleben erzählt. Wiedermal schmeißen wir unsere Rücksäcke in unser super sauberes und gemütliches Zimmer (Überraschung!) und werden von einem guten Freund Rosy’s zu einer Tabakplantage ganz in der Nähe gefahren. Dort bekommen wir erst einmal Strohhüte aufgesetzt und eine Zigarre angesteckt „Erst mal probieren dann arbeiten“. José zeigt uns wie die Tabakpflanzen aussehen und wie sie nach dem trocknen, geschnitten und zu einer Zigarre gerollt werden. Tipp: Wenn man die Zigarre am Mundstück in Honig tränkt, schmeckt sie gleich viel besser! Anschließend schwingen wir uns auf die Pferde. Zu viert reiten wir durch das spektakuläre „Valle de Viñales“, durch Felder, Wiesen, Wälder und auf Hügel. In den vier Stunden stoppen wir immer wieder an unglaublich schönen Aussichtspunkten.

14_314_41517Abends gehen wir durch die Gässchen der kleinen Stadt, auf der Suche nach privaten Restaurants. An der Haupt- und den Nebenstraßen gibt es einige, viele sogar mit hübschen Terrassen und um einiges günstiger als in Varadero oder Havanna. Den „Centro Cultural Polo Montañez“  hören wir schon von weitem. Hier treffen sich Touristen aber auch viele Einheimische, unter freiem Himmel, zum Tanzen und gemeinsam feiern. Am frühen Abend gibt es eine kleine Show mit Tänzern, später wird die Tanzfläche für alle freigegeben. Wenn der Club um 1 Uhr Nachts schließt, ziehen die übriggebliebenen Feierwütigen ins 3J’s. Eigentlich eine renommierte Tapas Bar, nachts wird sie aber zu einer After Hour Tanzbar. Gefällt uns äußerst gut!

An den anderen Tagen leihen wir uns Fahrräder, machen Wanderungen (teilweise unfreiwillig, weil wir uns verfahren haben, entdecken dafür Wasserfälle und hilfsbereite Menschen, die uns kostenlos mit Wasser versorgen – Achtung, nicht nachmachen!), bestaunen Wandgemälde, laufen durch dunkle Höhlen und fahren sogar nach „Las Terrazas“ in das UNESCO Biosphärenreservat.

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beim musizieren 😉

Am Sonntagabend laden Rosy und Ottoniel uns in ihren Garten ein. Die Familie und Freunde sind zu Besuch gekommen. Während sich Ottoniel um die Hähnchen auf dem Grill kümmert und Rosy uns mit Rum versorgt, spielen wir Domino mit den Nachbarn. Wir essen zusammen, sprechen über den Besuch von Obama und haben eine Menge Spaß. Wir fühlen uns fast wie ein Familienmitglied. Dies ist wohl einer der schönsten Abende, die wir in Kuba hatten!

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beim Domino spielen

Cienfuegos

Nach ein paar wunderschönen Tagen geht es dann weiter mit dem Taxi colectivo nach „Cienfuegos“. Eine Bekannte von Baby, in deren Apartment wir am Rande der Stadt wohnen, hat uns ihr Fahrrad vermietet. Leider hatte sie nur eins, sodass wir bewaffnet mit einem Handtuch für den Po des Beifahrers, zu zweit mit einem Mountainbike die Stadt erkunden. Selbst die Einheimischen finden das amüsant und so machen wir uns unterwegs viele Freunde. Im Zentrum auf dem „Plaza Armas“ ruhen wir uns vor der „Catedral de la Purísima Concepción“ aus. Wir essen frischen Hummer in der „Villa Lagarto“ mit einem wundervoll romantischen Ausblick, direkt am Meer. Absolut sehenswert! Wir folgen einem Tipp von Baby und fahren früh morgens zum kleinen Hafen „Marina Puerto“ wo wir noch zwei Plätze für eine Bootsrundfahrt erhaschen. Traumhaft! In der kitschigen Prunkvilla „Palacio de Valle“ aus dem Jahre 1917, genießen wir später einen atemberaubenden Ausblick auf das Meer und die Stadt.

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Frühstück bei Baby

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Aussicht vom Palacio de Valle
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Catedral de la Purisima
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Auf dem Balkon eines Restaurants in Cienfuegos

 

Playa Giron

Als nächstes wollen wir unbedingt noch mal zum Strand. Also organisiert uns Baby einen privaten Fahrer zur Schweinebucht. Angekommen in „Playa Giron“ einem kleinen Dorf mit Traumstrand, genießen wir drei Tage Erholung. Schnell machen wir Bekanntschaft mit einigen Einwohnern, die uns ihre Fahrräder ausleihen. Unsere süße Unterkunft heißt „El Castillito“ und auch hier werden wir äußerst herzlich aufgenommen. Wir fahren mit der Pferdekutsche in den Wald, wo uns Mario über die Risse im Boden, durch Bewegungen zweier zusammentreffender tektonischer Platten, aufklärt und uns viele Tierarten zeigt. In einer Höhle unter der Erde entdecken wir tausende Fledermäuse und große schwarze Krabben. Wir schwimmen mit Schildkröten in einem natürlichen Pool, weit weg der Zivilisation und lauschen dem Vogelgezwitscher. An diesem Tag fühlen wir uns wie im Paradies! Wir essen jeden Tag bei anderen netten Kubanern in privaten Restaurants oder bei Freunden von Freunden, die sich sehr viel Mühe geben, uns ein leckeres Abendessen zu bereiten und uns ganz viel von ihrer Kultur mit zu geben. So tanzen wir gemeinsam in Hinterhöfen, spielen mit den Haustieren oder lassen uns zeigen, wie man den besten Mojito der Welt zubereitet. Unser Highlight: Lagerfeuer am Strand unter tausenden von Sternen!

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natürlicher Pool in den Wäldern von Playa Giron
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Unser kleiner Nachbar im El Castillito
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frische Kokosnuss am Strand

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Trinidad

Unser letzter Stopp, bevor es zurück nach Varadero geht, ist die bekannte Stadt Trinidad. Hier erwarten uns viele Touristen, aber auch eine tolle charismatische Stadt umgeben von viel Dschungel und Bergen. Am besten entdeckt man die Natur auf dem Rücken eines Pferdes, denken wir uns, und reiten gemeinsam mit Carlos, natürlich einem Freund von unserem Casa Papa, aus. Wiedermal verschlägt uns die wunderschöne Landschaft die Sprache. Wir machen uns auf in die Altstadt, wo es tolles Essen, Cocktails und viel Salsa geben soll. Am Abend setzten wir uns auf die Stufen vom „Casa de la Música“ und trinken, ja was wohl: Mojito. Stephie und Elena, die wir, wie viele andere Leute, hier kennenlernen, erzählen uns von „der beste Club Kubas!“. Die „Discoteca las Cuevas“ ist eine Diskotheke in einer unterirdischen Höhle. Na dann auf geht’s! Wir sind schon etwas überrascht als wir den kleinen Eingang oben am Berg sehen in den einige Stufen ins tiefe Dunkel führen. Hier soll ein Club sein? Die drängelnde Menge hinter uns und unsere Neugierde lässt uns nun nicht mehr zurück. Stephie und Elena führen uns hinein und uns wird ein unglaublicher Anblick geboten. In eine riesige Höhle mit mehreren „Räumen“ wurden ein Dancefloor und Bars eingebaut. Durch das nicht vorhandene Tages- bzw. Nachtlicht erzeugen die Strahler an den Wänden der Höhle eine wahnsinnige Atmosphäre. Es ist stickig und warm hier unten, aber die Musik und die tanzende Menge zieht uns in ihren Bann. Wir haben nun offiziell das Kuba-Fieber! 😉

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Ausblick auf Trinidad

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Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde 😉
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In der Cueva

 

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